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(Grundlagen)forschung zwischen Hunger und Luxus
Donnerstag, 08. Mai 2008Darf sich die Menschheit den Luxus wissenschaftlicher Grundlagenforschung ohne direkten Anwendungsbezug und Nutzen leisten, wenn täglich nach Angaben der Welthungerhilfe etwa 24.000 Menschen — davon gut 13.000 Kinder — an den Folgen von Unterernährung sterben?
Jörg schreibt in seinem Blogeintrag “Crashtest für Protonen”, dass Milliardenprojekte zur Grundlagenforschung in einer Basisdemokratie unmöglich wären. Er behauptet, das Volk, das die öffentliche Förderung der Musikhalle in Münster ablehnte, vereitele mit Sicherheit auch solche wissenschaftlichen Großprojekte. Ich muss ihm da zustimmen.
Auch wenn man die mehr als 850 Millionen hungernden Menschen weltweit fragte, ob “wir” unsere Milliarden tatsächlich zur Klärung teilchenphysikalischer Fragen oder doch besser zur Hungerbekämpfung ausgeben sollten, dürfte die Antwort eindeutig ausfallen.
Das häufig vorgebrachte und durchaus stichhaltige Argument, die Grundlagenforschung liefere quasi als “Abfallprodukt” neben der reinen Erkenntnis etliche nutzbare Erfindungen und mache unsere moderne, technisierte Welt überhaupt erst möglich, bietet hier keinen Ausweg. Vom Anstieg des Lebensstandards durch Technisierung hat die dritte Welt bisher schließlich nicht kaum profitiert.
Man könnte die radikale Ansicht äußern, Sport, Kultur und Wissenschaft seien es, was den Menschen vom Tier abgrenzt und überhaupt erst zum Menschen macht. Der Gedanke erscheint zunächst verlocken, dass die stetige Forderung von Körper und Geist, das beständige Streben nach Verbesserung und der ewig neugierige Drang nach Erkenntnis das menschlichste am Menschen seien. Zu Ende gedacht bedeutet diese Vorstellung allerdings, dass man all denen, die gezwungen sind um Nahrung und Überleben statt um Erfüllung und Erkenntnis zu kämpfen, das Menschsein abspricht.
Was also tun: Forschung, Kunst, Musik, Sport — kurzum alle Luxusgüter — abstellen, bis die essentiellen Grundbedürfnisse für die gesamte Menschheit erfüllt sind? Einfach weitermachen wie bisher und uns freuen, dass “wir” in der Wohlstandsgesellschaft geboren sind?
Es scheint mir ungerecht doch trotzdem kann — und will — ich mich meines Erkenntnisdrangs und Kulturhungers nicht entledigen. Mir bleibt wohl nur mich an die dünne Hoffnung zu klammern, einst meinen Beitrag zur Verbesserung der Welt zu leisten. Sei es in der Wissenschaft oder anderswo.
Kommunikation durch Blinzeln
Montag, 28. April 2008Nachdem ich kürzlich den Film Le scaphandre et le papillon (Rezension auf Sneakcast) gesehen habe, muss ich ständig über Kommunikationsmöglichkeiten für quasi ganzkörpergelähmte Menschen nachdenken. Besagter Film erzählt die wahre Geschichte des vom Schlaganfall gezeichneten Elle-Redakteurs Jean-Dominique Bauby, der nur noch sein linkes Augenlid bewegen kann. Da er aber nach wie vor klaren Verstandes ist, bedarf es einer effektiveren Kommunikationsmethode als einmal blinzeln heißt Ja und zweimal blinzeln Nein.
Im Film (und vielleicht auch in der Realität — nähere Informationen habe ich leider nicht) wird dazu folgende verblüffend einfache Methode angewendet: Der Kommunikationspartner sagt das Alphabet auf und der Gelähmte stoppt durch Blinzeln bei dem Buchstaben, den er kommunizieren will. Aus Effizienzgründen verwendet man beim Aufsagen der Buchstaben natürlich nicht die alphabetische Reihenfolge. Stattdessen werden die Buchstaben nach Häufigkeit ihrer Verwendung in der benutzen Sprache sortiert und aufgesagt.
Diese Form der Kommunikation ist zwar langwierig aber einfach und funktional. Bauby gelang es damit sogar, seine Memoiren mit einer Geschwindigkeit von ein bis eineinhalb Seiten pro Tag zu diktieren und als Buch zu veröffentlichen.
Trotzdem stellt eine Kommunikationsgeschwindigkeit von weniger als zwei Seiten pro Tag eine gewaltige Einschränkung dar, sodass ich mich frage, warum man keine effektivere Übertragungsform wählt. Einfache Codierverfahren mit zwei Zuständen (Lid offen oder geschlossen) wie der Morse- oder Baudot-Code können von jedem geistig normalen Menschen innerhalb kurzer Zeit erlernt werden und ermöglichen selbst bei langsamen Blinzeln eine Übertragungsrate von fünf oder mehr Wörtern pro Minute, womit sie deutlich schneller sind als das vorher beschriebene Verfahren. Natürlich setzt die Verwendung eines solchen Codes voraus, dass der Gesprächspartner diesen auch beherrscht, doch beim diktieren und der überwiegenden Kommunikation mit nahen Verwandten und dem Sprachtherapeuten sollte das kein Problem darstellen.
Ich frage mich wirklich, ob ich da schlicht Probleme und Informationen übersehen, oder ob bisher einfach niemand auf diese Idee gekommen ist.
Bewegende Gedanken
Samstag, 26. April 2008Für Tina.
Wenn der Worte Gewalt die Gedanken nicht mehr halten mag, wenn bunte Bilder den schillernden Geistesblitzen leidlich grau erscheinen, wenn jede Leibesfaser gen Himmel strebt und das Universum in jedem Herzschlag tönt, dann ahnt man, wie klein und groß zugleich der Mensch doch ist. Zitternd wähnt man sich dann dem Fauste nahe und spürt halb lachend, halb weinend die eigene Sterblichkeit. Voll süßer Verzweiflung und schmerzender Verzückung erkennt man, dass man niemals den Kosmos durchdringen wird.
Wie leer erscheint nun doch unser eitles Tagewerk, wieviel mehr sollten wir uns dem großen Streben widmen.
Bin ich doch nicht Dichter und Denker; reichen manchmal weder Poesie noch Prosa, den Geist auf Papier oder ins Blog zu bannen.

