Das Gap fire nördlich von Santa Barbara/Goleta hat sich rasant weiter ausgebreitet.
In der Nacht waren 140.000 Menschen in der Region für mehr als fünf Stunden ohne Strom — als ich “mein” Haus heute morgen verlassen habe, gab es dort immer noch keine Elektrizität.
Eine graue Aschewolke bedeckt den gesamten Himmel und färbt die Sonne am hellichten Tag blutrot wie beim Sonnenuntergang. Zuweilen schneit es — Ascheflocken! Gestern Abend brauchte ich die Schutzbrille aus dem Labor und ein feuchtes Tuch vor dem Mund, um auf dem Fahrrad unbeschadet nach Hause zu kommen. Nahe “meines” Hauses haben Katastrophenschutz und Feuerwehr eine mobile Einsatzbasis errichtet. Straßen werden gesperrt und die Evakuierung von Nord-Goleta, wo auch ich wohne, ist bereits im Gang. Meine wertvollen Besitztümer befinden sich nun im Labor, die übrigen Dinge mögen Opfer der Flammen werden. Im schlimmsten Fall — wenn der Wind dreht — kann das Feuer in weniger als sechs Stunden die Küste erreichen und Goleta sowie das Studentenviertel Isla Vista dem Erdboden gleich machen…
In einer Stunde nehme ich den Bus nach Los Angeles; von dort dann per Nachtflug an die Ostküste nach Boston, wo ich mich mit Adrian treffe und wir uns gemeinsam die Feierlichkeiten zum Independence Day ansehen werden. Danach geht es weiter nach New York/Stony Brook, wo Adrian zur Zeit lebt und in organischer Chemie forscht.
Der Zeitpunkt für den Ausflug an die andere Ecke des Kontinents könnte unter den gegebenen Umständen nicht besser sein. Anders als der Titel dieses Eintrags vermuten lässt, ist das aber keine spontane Flucht sondern ein seit Wochen geplanter Urlaub.
Da ich nur mit leichtem Gepäck reise und viel unterwegs sein werde, bin ich in den nächsten Tagen nur sehr schwer bis gar nicht zu erreichen und muss auch das Blog in dieser Zeit sich selbst überlassen.
Ob “mein” Haus in Santa Barbara wohl noch steht, wenn ich nächsten Dienstag wieder hierhin zurückfliege?