Vom Umgang mit Geld
Für Marcel.
Was die täglichen Geldgeschäfte angeht, gibt es abgesehen von arm und reich mindestens zwei Arten von Leuten: Die einen haben quasi ihr gesamtes Monatsbudget im Portemonnaie oder unter dem Kopfkissen, zahlen allerorts bar, haben eine glänzende, unbenutzte EC-Karte, nutzen ihr Girokonto nur für’s monatliche Gehalt, nehmen Ein- und Auszahlungen am Schalter vor und tätigen Überweisungen per Papierformular. Die anderen haben selten mehr als 20 Euro Bargeld bei sich, aber mehrere abgegriffene, durchgebogene EC- und Kreditkarten mit teils abgebrochenen Ecken, zahlen allerorts “mit Karte”, regeln den wenigen Bargeldtransfer an Automaten und überweisen ausschließlich per Online-Banking.
Ich gehöre eindeutig zur letzten Kategorie und habe allen Unheilsbeschwörungen zum Trotz bisher nie Probleme gehabt, wenn man von einer (lustigen) Geschichte absieht. Eine münsteraner Apotheke hat ein Firmenkonto dessen Nummer meiner Kontonummer ähnelt. Natürlich werden beide Konten bei der gleichen Bank geführt und es geschah was geschehen musste: Die Apotheke hat einem Pharmaunternehmen versehentlich meine Kontonummer gegeben, sodass ich einst eine Erstattung für eine Rücksendung auf meinem Konto vorfand. Natürlich — es geht hier um Karma — habe ich das Geld zurückgezahlt. Kurz darauf wurde dann eine Lastschrift für eine Medikamentenbestellung gebucht, was mein Konto bei den typischen Pharmapreisen mehrere Tausender ins Minus katapultierte… Hat sich aber alles zügig und ohne Nachteile für mich regeln lassen. Und für diejenigen der ersten Kategorie, die sich jetzt vielleicht schelmisch freuen: Das hätte Euch auch passieren können, weil ganz ohne Girokonto kommt wohl keiner aus…
Worüber ich aber eigentlich erzählen wollte, ist das Einzahlen an Geldautomaten. Bei dem Gedanken mehrere Hunderte in einen Automaten zu stecken und zu hoffen, dass er richtig zählt, nichts vergisst, keine Scheine kaputt macht und alles hinterher auf meinem Konto landet, kann einem schon etwas mulmig werden. Dennoch habe ich das in Münster immer praktiziert, wenn ich Bargeld erhalten habe und auf’s Konto einzahlen wollte. Tatsächlich hat es bisher immer perfekt funktioniert.
Heute habe ich dergleichen — nennt es leichtsinnig — in Santa Barbara mit 1000$ gemacht. Allerdings funktioniert das hier anders — altmodischer. Man steckt das Geld in einen speziellen Umschlag, den es an den Automaten gibt, klebt diesen zu und sagt dem Automaten, dass man einzahlen möchte und wieviel. Dann öffnet sich eine Klappe und man schiebt den Umschlag hinein. Der Automat druckt Kontonummer und den Betrag, den man eingegeben hat, auf den Umschlag und macht die Klappe wieder zu. Und das war’s!
Mein Geld liegt jetzt — hoffentlich — in dem Automaten und wartet darauf, dass es von einem Bankangestellten gefunden, gezählt und meinem Konto gutgeschrieben wird. Na das nenne ich moderne Technik…
Wenn es nicht ankommt? — Tja, dann bin ich quasi tot — zumindest was Miete und Essen betrifft.

28. Mai 2008 um 16:55
Hi, ich bin der Typ mit der glänzenden EC-Karte…;)
Schön, dass man noch mit Menschen zusammenarbeiten kann, wenn man das will. Das gehört in dieser digitalen Zeit, in der wir leben, nicht wegrationalisiert.
Wobei, bei der Geschichte mit dem Umschlag hätte ich auch Bammel und da ich ja nun auch weiß, dass man die Karte braucht, um im Pub zu bezahlen, finde ich irgendwie seltsam. Intelligent gemacht ist es natürlich. Wenn man am Ende des Abends noch nicht mal mit Bargeld raus rücken muss, kann man ja trinken, was man will…..
01. Juni 2008 um 00:29
Die Umschlagsgschichte ist mir nach wie vor dubios. Auch wenn es bisher immer gut gegangen ist, behagt mir diese Art der Einzahlung einfach nicht.
Im übrigen sehe ich keinen Zusammenhang zwischen bargeldlos bezahlen und der zwischenmenschlichen Interaktion. Ob ich nun Geld auf den Tisch lege und welches zurückbekomme oder eine Karte abgebe und eine PIN eintippe bzw. unterschreibe — mit Interaktion hat beides wenig zu tun. Die liegt viel mehr in der Möglichkeit, mit dem Kassenpersonal zu reden, und besteht bei beiden Zahlungsvarianten.
Mit viel größerer Besorgnis sehe ich da die self-checkout Kassen, wo der Kunde alles selbst regelt und nun wirklich keine menschliche Zusammenarbeit mehr existiert. Bar kann man an diesen Kassen übrigens immer noch zahlen…
01. Juni 2008 um 11:09
Oh, ich meinte jetzt auch in erster Linie die Geldgechäfte, die man in der Bank tätigt. Ich geh gerne zu den Leuten am Schalter und mach Dinge mit Geldscheinen…;)
08. Juni 2008 um 07:53
Ich bin beeindruckt: Hier in Santa Barbara gibt es Anzeichen von Fortschritt. Die Bank of America hat in den letzten Wochen die Geldautomaten auf dem Universitätscampus modernisiert. Die neuen Geräte zählen die Scheine nun vollautomatisch und buchen den Betrag umgehend auf das Konto wie man es aus Europa kennt.
Herrlich, keine dubiosen Umschläge und keine dreitätige Wartezeit mehr!