Odyssee 2008

Nachdem man den Papierkrieg, der im Vorfeld eines Forschungspraktikums in den USA ansteht, erfolgreich erledigt hat — also ein gültiges Visum, eine Unterkunft in den Staaten, den Praktikumsplatz und natürlich Hin- und Rückflug hat — sollte die Anreise doch eigentlich kein großes Problem darstellen. Zumindest dachte ich das, bis ich die TSA-Bestimmungen gelesen habe und obendrein von zwei Leuten gehört habe, dass ihre Koffer auf dem Hinflug verschwunden und nie wieder aufgetaucht seien. Versteht sich von selbst, dass die Entschädigung in solchen Fällen dürftig ausfällt und (deutlich) unter dem realen Wert des Gepäcks liegt…

Aber man ist ja chronisch optimistisch und glaubt auch allen Grund dazu zu haben, da man die Anreise zum Flughafen ohne Stau pünktlich zum Einchecken geschafft hat. Bordkarte holen und Gepäck aufgeben ging dann auch ziemlich fix. Nach kurzer Befragung (Waffen? Lebensmittel? Verbotene Güter?) und Aufklärung (durchleuchten, “beschnüffeln”, durchsuchen, evt. sprengen!) waren meine Koffer auch schon weg. Ob ich sie jemals wiedersehen würde?

Dann die Sicherheitskontrolle: Ich war bestens vorbereitet (Laptop ausgepackt, Gürtel ausgezogen, …) und kam mit Handgepäck und mir selbst ohne Beanstandung durch die diversen Scanner. Bis es plötzlich hieß: “Quote!”
“Quote”, wiederholte der Sicherheitsmensch vom Format eines Kleiderschranks, zog sich Handschuhe an und nahm mich mit zur “manuellen Nachkontrolle” — das kann ja noch heiter werden. Natürlich hat er nichts gefunden und ich durfte auf meinen Flug warten. Dieser hob schließlich mit exakt einer Stunde Verspätung nach Dallas ab und ich begann mich zu fragen, ob ich meinen Anschluss noch kriegen würde…

Über den Wolken waren diese Sorgen allerdings recht schnell vergessen. Erfreut stellte ich nämlich fest, dass zwei warme Mahlzeiten serviert wurden und man auf kleinen Bildschirmen in den Rücklehnen der Sitze Videos schauen konnte. So machte ich es mir mit Decke, Kissen, Buch (Labyrinth von Kate Mosse) und Filmen (I Am Legend sowie P.S. I Love You, Rezensionen gibt’s hier) für zwölf Stunden gemütlich. In Dallas dann das Gespräch mit dem Einwanderungsbeamten: Sehr angenehm und gar nichts so schlimm, wie man sich’s nach den zahlreichen Beschreibungen vorstellen mag. Ihn hat nicht mal gestört, dass wir im Flugzeug ein altes und damit ungültiges Formblatt bekommen und ausgefüllt hatten. Flugs gab’s das neue, schnell ausfüllen, drei Fragen und fertig. Einreise und Zoll in weniger als einer halben Stunde erledigt: Ich bin also in den vereinigten Staaten von Amerika.

Auf die Freude folgte das böse Erwachen: Zwar waren meine Koffer unversehrt angekommen, aber mein Anschlussflug war weg. Nicht etwa verpasst, sondern weg, gestrichen, annulliert — wie gut hundert weitere Inlandsflüge. Was folgte war qualvolles Schlangestehen (100 min) vor den drei Angestellten der Fluggesellschaft, die mehrere Hundert Leute abfertigen mussten. Für mich fand man schließlich einen Flug mit einem putzig kleinen Flugzeug, das Geräusche machte, als wolle es jeden Moment auseinanderfallen, direkt nach Santa Barbara, wo ich nach vier Stunden wohlbehalten ankam — sogar mit vollständigem Gepäck und eine Stunde eher als geplant, weil nicht wie vorgesehen nach Los Angeles und dann mit dem Bus nach Santa Barbara.

Wie’s mir an der kalifornischen Riviera ergeht, erfahrt ihr dann nach der nächsten Maus — oder so ähnlich.

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4 Antworten zu “Odyssee 2008”

  1. Dennis sagt:

    Schlimmer geht’s immer:
    http://www.vitalsecurity.org/2008/04/flight-ba-287-i-knew-this-was-wrong-day.html
    ;o) Dennis

  2. Patrick sagt:

    Hoffen wir, dass mir derartiges nicht etwa auf dem Rückflug passiert.
    Der große Odysseus ist schließlich auch recht einfach nach Troja gekommen, hatte dann aber so manches Problem mit dem Rückweg…

  3. Andrea sagt:

    Na da bin ich ja froh, daß auch der Dino gut angekommen ist. Du hattest ja wirklich bedenken das deine Koffer nicht wieder auftauchen.

  4. Odyssee 2008 - Rückkehr | herzhirnhand.de sagt:

    […] ich geahnt, was auf dem Rückflug auf mich zukommen sollte, ich hätte mich hier niemals erdreistet, den Hinweg nach Santa Barbara als Odyssee zu bezeichnen. Genau wie in Homers […]

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